Datei:
Autor:
Version vom:
Sarek für Fortgeschrittene
Erfahrungen und Informationen von unserer Tour im Sommer 1997
Die Fahrt fand 2 ½ Wochen im Sommer 1997
statt. Teil nahmen Schiesser, Doc und Chili.
Ort war der
Nationalpark Sarek in Nordschweden, in Lappland. Dabei fand die
Wanderung vom Ort Kvikkjokk südlich des Parks bis nach Suorva
nordöstlich davon statt. Der Sarek breitet sich nördlich
des 67° Breitengrades aus.
Bei mir sind außer den hier niedergelegten Infos noch die Wanderkarte vom Sarek und Fotos vorhanden.
Zug von Deutschland nach Stockholm, wie üblich
Nachtzug von dort Richtung Kiruna bzw. Narvik
(Norwegen). Aussteigen morgens in Gällivare.
Laut Infos aus
dem Internet kann man auch in Murjek aussteigen; dies ist aber im
Gegensatz zur Stadt Gällivare nur ein Dorf.
Mit dem Bus (fährt täglich) nach Jokkmokk, morgens
Dort mit dem Bus (mittags) weiter nach Kvikkjokk. Dieser Bus hält nur dann am Bushof in der Stadt, wenn man dies dort beantragt. Anderenfalls hält er nur außerhalb der Stadt, und man verliert einen Tag. Es gibt aber ein Büro beim Ausstieg aus dem ersten Bus.
Fährt man von Murjek aus, so ist die Strecke nach Jokkmokk kürzer, und es soll ebenfalls einen Bus geben. Dort waren wir aber nicht.
Die Zugfahrt dauerte insgesamt 38 Stunden von Aachen aus, dann noch den Tag über mit dem Bus; abends war noch Zeit, ein paar Kilometer aus Kvikkjokk herauszuwandern.
Platzreservierungen nicht vergessen.
Das Wichtigste bei der Tour ist die Nahrung. Da man sich für 10-14 Tage verpflegen muss, ohne Kontakt mit der Zivilisation, muss alles getragen werden. Doc hat damals die Berechnung der notwendigen Kalorien gemacht; vielleicht hat er die Unterlagen noch. Das einzige Nahrungsmittel im Überschuss ist Wasser. Aus allen Richtungen.
Wir hatten dabei:
Reis, Nudeln, Couscous
Kohlenhydrate für
das warme Abendessen
Tütensoßen
um dem auch einen
Geschmack zu geben
Müsli, Haferflocken, Grieß
für
das ebenfalls warme Frühstück.
Pumpernickel/Schwarzbrot, Salami,
Schokolade
als Mittagessen zwischendurch
Milchpulver, Vitamin-Tabletten, Müsliriegel,
Zucker, Zimt
und was sonst noch wichtig war
Benzin
in Massen, denn ohne Energie kann
man diese Gerichte fast alle vergessen.
Wir hatten ca. 5 l dabei
für einen Brenner, das war aber zu viel – die Hälfte
hätte gereicht.
Wer will: Pemmikan produzieren,
Die Mengen lagen bei ca. 250 gr pro Essen/Person bei den Kohlenhydrat-Lieferanten, dabei stopft z.B. Gries besser als Haferflocken, Müsli, und wir hatten oft noch was fürs Mittagessen/zweites Frühstück. Außerdem 1/3 Salami, 1/3 Tafel Schokolade, oder gar ½?
Einkaufen kann man nur in den Hütten außerhalb des Nationalparks, also an den Wanderwegen.
Die Rucksäcke wogen zusammen 80 kg, auf drei Leute verteilt.
Kvikkjokk ist eigentlich immer der Einstieg, südlich vom Nationalpark Sarek gelegen. Dort gibt es neben einem Miniladen auch eine Fjellstation (bewirtet, Übernachtung, eine Waage zum Wiegen der Rucksäcke :-)
Dort beginnen auch die beiden bekannten Wanderpfade, bzw. führen hindurch. Aus Schutzgründen umgehen beide den Nationalpark, anstatt ihn zu durchqueren, wie wir das gemacht haben.
Der Padjelantaleden (leden=Pfad) führt westlich um den Sarek herum. Diesen wollten wir im Norden dann wieder treffen.
Außerdem führt der Kungsleden (Königsweg) östlich um den Park herum. Dieser ist überlaufen, v.a. auch mit Mücken, und hat alle ½ Tage entweder eine Schützhütte (geschlossen) und eine Fjellhütte (bewirtschaftet, teuer, mit Laden). Der Padjelantaleden ist vermutlich genauso ausgstattet.
Balo hat uns aus seiner Erfahrung vorgeschlagen, nach Nordwesten dem Tal des Njåttjosjåkkå zu folgen, dem Fluss entlang aufwärts in die Berge einzusteigen und dann im Norden auf den Padjelantaleden zu treffen. Dort kann man sich an einer Hütte neu verpflegen und noch ein paar Tage zur nächsten Straße und Buslinie durchstoßen. Verpflegung für den ersten Abschnitt war auf 10 Tage berechnet. Wichtig ist, den ersten Teil des Flusstales wegen Sumpf und Mücken nördlich über die Berge zu umgehen.
Füße waren binnen kurzer Zeit nass, wegen Sumpf und Bachüberquerungen; bis zur Hüfte stand das Wasser geplant, bei einigen auch ungeplant höher. Mücken liessen sich nur durch Kleidung abschrecken.
Mehrfach mussten wir weite Umwege die seitlichen Hänge hoch machen, um Seitenbäche überqueren zu können, da weiter unten die Strömung zu stark war, auf halber Höhe die Schlucht tief eingeschnitten und weiter oben die Schlucht von Schneebrettern bedeckt war. Am schwierigsten diesbezüglich war der Säkokjåkkå.
Nachdem wir endlich im geplanten Tal waren, ließ die Menge der Mücken stark nach; einen Tag gingen wir ohne Netze. Leider wurden die Pfade durch Rentierwechsel ersetzt.
Dummerweise schafften wir es aufgrund der Strömung bei einem Seitenach nicht, ihn zu überqueren – es war zu gefährlich. Im nachhinein fanden wir heraus, dass es zu einem anderen Tageszeitpunkt vermutlich möglich gewesen wäre – Schmelzwasser nimmt bei Wolken und gegen Morgen natürlich ab.
Deswegen gingen wir einen Teil des Weges zurück, um dann am südlichen Rand des Parkes nach Osten vorzustoßen. Die genaue Strecke ist unwichtig, solange man den Blick auf die Nahrung und damit die nächste Hütte behält. Interessant war noch die See-Überquerung mit zwei Ruderbooten, die uns die Strecke von ca. 3 km immerhin dreimal aufzwang, schliesslich muss vorher und hinterher je ein Boot an jedem Ufer sein.
Nach einem halben Tag auf dem Kungsleden, dem Einkauf in einer Hütte (100,- für 4 Tage und 3 Leute!) ging es noch ein paar Tage bis zur großen Talsperre Surovajaure (jaure=See). Auf dem nördlichen Ufer ist eine Straße mit Busverbindung indirekt nach Gällivare.
In den Niederungen (ca. 500m) sind immer sumpfige Stellen zu finden; schliesslich ist ein Haufen Wasser per Fluss und Bach unterwegs. Auf den Wanderwegen sind dort oft Brettersteige angebracht.
Immer wieder müssen Flüsse oder
Nebenbäche überquert werden. Das Wasser ist natürlich
sehr kalt, da von Schneefeldern und Gletschern abgeschmolzen. Es gibt
ein paar Brücken, die aber jeden Winter entfernt und nach der
Schmelze wieder montiert werden müssen – oder eben
außerhalb der Leden nicht mehr da sind.
Gefährlich ist
dabei neben Wasserkälte vor allem die z.T. extrem starke
Strömung.
Deswegen müssen bei einer Überquerung die Schnallen des Rucksacks immer offen sein. Das Seil kann z.T. helfen, wenn man es spannt, aber der erste und der letzte können nur gegen einen Punkt oberhalb der Überquerung „pendeln“.
Schneefelder tauchen immer mal wieder auf, schon ab 500m Höhe. Diese sind aber unwichtig, da sicher. An einigen Stellen ziehen sie sich aber über unsicheren Grund, wie z.B. einen tief eingeschnittenen Bach. An diesen Stellen ist die Überquerung selbst angeleint zu gefährlich. Diese Entscheidung kann man aber eingentlich nur mit Gletschererfahrung treffen. Gefahr kann auch bei Steigungen bestehen.
Waschen kann man sich nur sehr schwer, da das Wasser nunmal kalt ist und die Mücken sofort auftauchen.
Stehendes Wasser, kein Wind zieht Mücken an und heran. Existieren tuen sie überall, aber in Flussniederungen und in zivilisierten Regionen wie Kvikkjokk und an den Hütten ist es extrem. Vermutlich aufgrund des Windes aus den Bergen war es in dem geplanten Tal fast Mückefrei, ein größeres Fluss/See-Tal auf dem Weg war völlig verseucht (Rapadalen).
Einziger Schutz ist feste Kleidung. Die VCP-Hemden sind nicht dicht genug, unserer blauen dagegen schon. Balos Leute mussten immer Juja tragen, wir wären dann von der Sonne gebraten worden. Dummerweise soll blau Mücken anziehen. Hose muss entweder dick oder fest gewebt sein. Meine Navy-Hose war auch kein Problem. Natürlich kann man auch Gamaschen unterhalb der Lederhose tragen.
Das Gesicht kann man nur mit einem Netz schützen, entweder mit eingebautem Hut oder man zieht einen darunter. Diese Netze bekommt man in Lappland meist nicht mehr!
Das einzige bekannt erfolgreiche Mückenmittel ist US 622, hochgiftig, bekommt man nur in Schweden, aber es wirkt. Zumindest ein paar Stunden. Wichtig ist zu wissen, dass es den Mücken die Füße verbrennt, sie landen also auf der Haut und starten sofort wieder. Sie werden nicht durch Geruch abgeschreckt.
Ach ja: die Mücken sind kleiner als die deutschen, aber viel mehr. Und haben z.T. noch nie einen Menschen gesehen.
Balo hat uns von kalt und nass berichtet – sie haben immer JuJa getragen. Bei uns war das Wetter z.T. auch recht sonnig und warm, wir sind im Hemd gewandert.
Natürlich gab es ein paar sehr verregnete Tage; einen Tag verbrachten wir wegen starkem Wind und kaltem Regen im Zelt.
Insgesamt muss man wohl mit allem rechnen.
Man darf die Polarnacht nicht vergessen – wenn es fast immer hell ist, verliert man leicht den Tagesrhythmus. Das ist nicht gut, also aufpassen.
Selbstverständlich darf eine solche Tour wegen Frühlingschnee(-schmelze) und Herbstwetter weder zu früh noch zu spät stattfinden. Ich erinnere an unsere Erfahrung in Süd-Norwegen, wo die Umgebung zur Sommersonnenwende ab 900m Höhe noch vollständig mit Schnee bedeckt war.
Mückenmittel (US 622, Dschungelolja)
Mückennetz für den Kopf
Mückensicherheit für das Zelt, also entweder Plastikzelt oder Kohte mit Mückennetz und -Spiralen
Seil, um sich bei der Überquerung von Bächen oder Schneebrettern anzuleinen
Sandalen oder noch besser Neoprenschuhe, um in den eiskalten Bächen sicheren Halt zu haben
Möglichkeit, den Rucksack wasserdicht einzupacken, falls man reinfällt
Erste, aber auch zweite Hilfe: Bessere Pflaster (Klammerpflaster?), Schmerzmittel?
Versicherung mit Notfallrettung – kann
sonst sehr teuer werden.
Alpinisten; ADAC? keine Ahnung mehr.
Hautcreme
Sonnenbrille (Schnee!)
Missweisung beim Kompass beachten
Mülltüten, und so'n kram
Fensterleder anstelle eines Handtuchs, das nie wieder trocken wird
Tüten und Verschlüsse für die
Nahrungsmittel, alles muss wasserfest sein
(Toppits-Klemmen, aber
keine Billig-Konkurenz)
Und ein Blick auf den Park selber.
Ein deutscher Bericht über Wanderungen in dem Gebiet
Viele Informationen über Kungsleden und Padjelanteleden
Alles in allem wünsche ich jedem viel Spaß, der eine solche Tour auf sich nimmt; es ist aber nicht ganz einfach und auch nicht ganz ungefährlich. Handy hatten wir nicht dabei, hätte vermutlich aber auch nichts gebracht. Darüber müsste man sich neu informieren. Man muss eben immer daran denken, dass man selten weniger als ein oder zwei Tage bis zur nächsten festen Behausung braucht.
Gruß allerseits,